über mich
über mich
Mein Name ist Andrea Fisser, Künstlerin mit einem Hintergrund in Kostüm- und Bühnenbild für Schauspiel und Oper. Viele Jahre habe ich für den Theaterraum gearbeitet, eine Erfahrung, die meinen Blick auf Material, Oberfläche und Wirkung geprägt hat. Das Theater hat mir gezeigt, wie Masken und Kostüme Geschichten erzählen können, und diese Lust am Verkleiden begleitet unter anderem meine Kunst. Ich verkleide mich zum Beispiel selbst als demonstrierendes Zirkustier, montiere nachträglich einen Tierkopf und bringe so mir wichtige Ideen und Botschaften zum Ausdruck.
Seit über 20 Jahren arbeite ich als freie Künstlerin und experimentiere mit unterschiedlichsten Materialien: Pailletten, Saris, Holz, Kunststoff oder einem alten Segel, das ich am Meer, zerzaust von der Kraft der Wellen, gefunden habe. Das Segel trägt eine Zahl, die Zahl der Opfer, die im Meer ertrunken sind, an dem Tag, in jenem Jahr, an dem ich das Segel am Strand entdeckt hatte. Ein Frauengesicht ist zu sehen, das auf das Segel gedruckt wurde, mit zugehaltenem Mund. Nicht sprechen soll die schweigende Grausamkeit zeigen, mit der das Ertrinken vor unseren Augen passiert, als stilles Zeugnis der Menschen, die beim Fliehen über das Meer ihr Leben verloren haben. Material wird hier zum Träger von Erinnerung, Mahnung und Geschichte.
Meine Arbeiten sind politisch und feministisch verortet, dem Tierwohl verbunden und den großen Themen Liebe und Menschlichkeit verpflichtet. In Arbeiten wie derkopftuch oder derburka hinterfrage ich gesellschaftliche Zwänge, etwa die Kleidervorschriften für Frauen, die bei Missachtung zum Tode führen können, unter denen Männer niemals leiden würden, weil sie ihnen nicht auferlegt werden.
In einer Serie meiner Gravuren schlüpfe ich in traditionelle Trachten aus aller Welt, um auf das unrecht vieler Frauen aufmerksam zu machen. Die Frauen, die ich darstelle, halten Schilder, auf denen z.B. steht : Hilfe, Frauenrechte, nicht reden, sondern handeln, jeweils in der Landessprache.
Ein weiterer Schwerpunkt sind meine Tierbilder, manchmal von einem Spielzeug überdimensional abgebildet, manchmal ein Foto einer toten Biene, die auf unsere Verantwortung für die Natur aufmerksam machen sollen. Bilder mit dem Wort Hilfe oder Motiven wie Summ, Summ, Summ für Bienen zeigen, wie dringend wir handeln müssen, bevor es zu spät ist. Selbst wenn Bienen am Boden liegen, symbolisiert ein eingearbeiteter gelber Farbwisch Hoffnung, Auferstehung und die Chance, die Welt zu bewahren.
Momentan konzentriere ich mich auf Farbe: ein Wisch, ein Moment, in dem alles entsteht und nichts zurückgenommen werden kann. In diesem flüchtigen Augenblick verbinden sich Farben, hinterlassen Muster, schenken mir Glück, Hoffnung und die stille Freude, dass etwas in einem Moment entstehen und auch vergehen kann.
Meine Arbeit bewegt sich zwischen Bild, Objekt und Textil, zwischen Materialexperiment, Verkleidung und inhaltlicher Tiefe. Sie ist Ausdruck meiner Neugier, meines Engagements und meines Glaubens daran, dass Kunst erinnern, aufrütteln und zum Handeln anregen kann. Motiviert von meinen Ängsten, meiner Lebenserfahrung mit Menschen, Politik und Liebe finde ich darin immer wieder Kraft, Freude und Lust, künstlerisch dranzubleiben.
Ich arbeite in Berlin und Potsdam und hatte mehrere Ausstellungen in München und Paris.